Unterschiedliche Sichtweisen – Gedanken – emotionale Reaktionen Konfliktvermeidung oder Konflikt als Motor für neue Entwicklungen

Wir haben in den letzten vier Wochen eine Mediationsausbildung abgeschlossen, Zertifikate ausgehändigt und zwei Wochen später eine neue Mediationsausbildung begonnen. Das zentrale Thema, Klärung von Konflikten durch die gut strukturierte Methodik der Klärungshilfe, eine Form der Mediation, die sich besonders gut anwenden lässt in größeren Gruppen und in hoch eskalierten Konflikten in Organisationen – aber auch in der mediativen Einzelbegleitung und mit Paaren. Nicht unbedingt Harmonie, sondern Klarheit durch Wahrheit ist das was wir in unserer Art der Konfliktklärung versprechen, mehr und tiefergehende Information und Verständnis, um gute Lösungen finden zu können. Wie schnell entsteht doch ein Konflikt, zumindest als innerliches Gefühl und Reaktion auf etwas, was wir gerade gehört oder erlebt haben. Und wie schnell urteilen wir im Stillen über andere oder ignorieren die ‘unangenehmen Gefühle’ und ‘inneren Reaktionen’ und vermeiden es, auch nur irgendwie darüber zu kommunizieren, aus Angst, wir könnten unangenehm auffallen oder ein Konflikt auslösen. Oft spielen Selbstzweifel eine Rolle, sind unsere Reaktionen überhaupt berechtigt und sinnvoll? Und was für Nachteile könnten wir ernten, falls wir doch darüber sprechen.

Wir sagen unseren Teilnehmern gleich im ersten Modul, dass sie nicht nur eine Methodik lernen, sondern viel für ihre persönliche Entwicklung tun werden und ihre eigene Haltung zu Konflikt wird sich ändern – es liegt an unserer Philosophie der mündlichen Tradition – wir arbeiten mit den echten Konflikten der Teilnehmer, also mit den eigenen, echten Gefühlen, gedanklichen Reaktionen und Konfliktverhalten. Wir wollen, dass sie übers Jahr viele persönliche Konflikte klären und ihre pesönliche Konfliktstrategie gründlich reflektieren, um dabei festzustellen, wie lehrreich und nutzbringend es ist, sich offen mit unterschiedlichen Wahrheiten auseinander zu setzen. Mit anderen Worten – wir wollen, dass sie durch eigene Erfahrungen die natürliche, archaische Angst vor Konflikten, die jeder in sich trägt, verwandeln in echtes Interesse für eigene und andere Wahrheiten und Mut gewinnen, sich damit auseinander zu setzen, weil es sich lohnt. Dadurch wächst schnell eine Atmosphäre von Wahrhaftigkeit und Nähe in der Gruppe und sie können am Ende der Ausbildung mit viel Überzeugungskraft sagen, “ Ich bin eine erfahrene/r MediatorIn und habe selber Erfahrung als Mediand.

Ich habe durch meine Enneagrammarbeit und durch die Zusammenarbeit mit Tilman Metzger viele Erfahrungen sammeln können und ich möchte in diesem Newsletter über meine gewonnenen Einsichten zum Thema Konflikt un Enneagramm schreiben.

Und Ich habe En-Stil Fünf für diesen Newsletter interviewt. Martin erzählt uns von seiner Entwicklung und seine Erkenntnissen über sein Konfliktpotential.

Viel Spaß beim Lesen,

Pamela Michaelis

Allgemein

Jeder EN-Stil zeigt automatisches Konfliktverhalten, unabhängig von der eigentlichen Ursache des Konflikts

Im Konfliktfall zeigen wir ein bestimmtes, automatisches Verhalten, ausgelöst durch den eigenen Enneagramm-Stil und Themen, die für unser Leitintelligenzzentrum (Bedenken, Beziehung, was ist wie richtig zu tun?) wichtig sind. Wir zeigen leicht beobachtbare Abwehrstrategien und projizieren unsere Themen auf andere. Diese Automatismen spielen in jedem Konflikt eine Rolle und wir können unseren Gegenüber nur durch unseren eigenen, engen Filter hören und erleben, bis wir entweder durch Selbst-Management – innere Beobachter, Körper- und Achtsamkeitspraxis – Zugang zu allen drei Zentren bekommen – oder durch effiziente und ehrliche Konfliktklärung. Die Klärungshilfe schaut auf vier Ebenen, von Oben nach Unten – Was genau ist passiert? Was wirfst Du den anderen vor? Wie wehrst du Dich – abwehrende Gefühle – und falls zugänglich, was ist die innere Not dahinter? So sprechen wir alle drei Zentren an und wollen die unterdruckte emotionale Energie und Intelligenz befreien, damit sie wieder als Ressource für gute Lösungen zur Verfügung steht.

Konfliktklärung bedeutet die ganze Wahrheit der Situation auf dem Tisch zu bringen und die sachlichen von emotionalen, Beziehungsthemen zu unterscheiden. Emotionen sind intelligent und dienen als Motor für neue Entwicklungen.

Spezial

Ein Beispiel: Die Vierer neigen dazu ihren kleinen, echten Gefühlen nicht wahr zu nehmen und statt dessen, sie ‘größer’ zu machen. Für andere fühlt sich das wie Drama an, sie nehmen die Vierer Beschwerde nicht ernst oder ziehen sich sogar zurück – und die Vier erlebt eine Störung in der Beziehung, ein sehr unangenehmes Gefühl, eine Mischung aus verlassen sein, Selbstwertverlust, oft gekoppelt mit viele wütende Vorwürfe. Sie können sich nur noch mit ihrem ‘Beziehungs-Gefühl’ beschäftigen, ihr inneres Gleichgewicht ist verloren, das Denken kreist um die Beziehung zu dieser Person und analysiert jedes Detail. Es ist für eine Weile schwierig weiter zu arbeiten oder gut zu funktionieren. Der andere Person ahnt nicht, was los ist, erlebt nur ‘das Drama’.

Dieser Ablauf ist typisch, egal was der Auslöser ist. Ein Beispiel, jemand wurde eines morgens nicht, wie üblich, im eMail Verteiler angesprochen, sie war eine Vier und es war für sie ein wichtiges Projekt wo sie viel geleistet hatte. Sie hat gelitten, es schmerzte sie – und das Team, speziell ihre Leitung, hat dann auch gelitten unter ihr Drama – sie haben sie mal wieder als zu emotional abgetan. Keiner war willens, Verständnis für ihre Reaktion auf zu bringen, weil sie zu wenig Information hatten, konnten nicht verstehen was in ihr vor ging. Konflikt im Team war spürbar. Hier ist wichtig zu erwähnen, diese Kollegin wurde für ihre Gabe als Vier hoch wertgeschätzt im Team für IT Solutions. Sie brachte immer wieder innovative Lösungen, wenn es eng wurde.

Was das Team braucht ist mehr Information über wie man sie als Mensch abholen kann, wenn Drama ausbricht, damit alle schnell wieder Arbeitsfähig sind. Die Kollegin braucht ein Gegenüber, der unerschrocken stehen bleibt und sie ernst nimmt, ohne aufs Drama zu reagieren, wissend um den echten Schmerz dahinter. Sie braucht erstmal Unterstützung, ihre Gefühle und Gedanken zu ent-dramatisieren und sortieren. Fragen stellen hilft “Was ist passiert? Was denkst Du warum? Was genau ist dein Vorwurf an andere? usw. – erst dann können sie verstehen und mögliche Lösungsschritte im Team besprechen, es kann so einfach wie ein kurzer Anruf sein.

Wir sehen und hören erstmal selektiv nur das, was unsere Sichtweise auf den Konflikt bestätigt und urteilen schnell, bis wir lernen Neugierig auf andere Menschen und ihre Wahrheiten zu sein.

Podcast über EN-STIL SECHS – Der loyale Skeptiker
Wir stellen Podcasts in der mündlichen Tradition zur Verfügung, über alle neun EN-Stile und vieles mehr. Um auf dem laufenden zu bleiben und die Podcasts regelmäßig zu erhalten, schaut auf unsere Facebook Seite oder meldet euch an bei iTunes für ein kostenloses Abbonement. Ein Podcast über EN-Stil Fünf wurde bereits veröffentlicht. [Podcast anhören]

Die mündliche Tradition
Unser Lehrgrundsatz lautet, „glaube nicht was wir sagen, finde es für Dich selber heraus, ob es stimmt“. Sie als Person stehen im Vordergrund. Sie lernen, das Wissen des Enneagramms für Ihre intensive Selbstreflexion zu nutzen. Alle Teilnehmer lernen aus erster Hand, wie es ist mit ihrer und anderen Sichtweisen zu leben. So entwickeln Sie neue zwischenmenschliche Kompetenzen und ein tiefes Verständnis für die Lebensstrategien von allen neun EN-Stile. Dieses Wissen ist wertvoll für die eigene Entwicklung und für alle Berufe, wo die interpersonelle Intelligenz wichtig ist, z.B. als Coach, Mediator, Führungskraft, Therapeut, Berater oder Lehrer usw.

Was sagen andere?

24032017_newsletter_martin_schaafMartin Schaaf
EN-Stil Fünf
,
Agrar-Berater, Systemischer Coach, Mediator
Thiensen 16
25373 Ellerhoop

(04120) 7068 331 (Tel)
(04120) 7068 329 (Fax)
Martin.Schaaf@web.de

 

“Ach wie schön, dass wir Fünfer für Klarheit sorgen”

Seitdem ich das Enneagramm kenne, habe ich ein besseres Gefühl und mehr Sicherheit im Umgang mit anderen. Es ist einfach besser, wenn ich erstmal weiß wie ich ticke! Wenn ich eine Idee habe, wie die anderen ticken, kann ich mich gut vorbereiten und besser auf die Kunden eingehen, leichter liefern was sie brauchen. Ich kann auch meine Fünfer Themen mit Humor nehmen und im Team offen legen, das war mir vorher nicht möglich, weil ich sie nicht eingesehen habe. Heute weiß ich, ich habe Verhaltensweisen mit denen ich andere irritieren kann, z.B. wenn sie unerwartet mein Büro betreten, während ich konzentriert arbeite und ich zu kurz und lieblos frage, was sie wollen? Falls ich ein Fragezeichen im Gesicht auftreten sehe, dann verstehe ich das, weiß dass es wahrscheinlich an meinem Tonfall liegt und ich kann dagegen steuern. Ich übe Selbstmanagement und bemühe mich um mehr Toleranz, allerdings mag ich es nicht, wenn jemand wie ein Maschinengewehr auf mich einredet, zumindest kommt es mir so vor. Ich erlebe mich manchmal als hypersensibel, speziell in nahen Beziehungen und kann mich schnell als Opfer fühlen. Eine gewisse Rigidität ist mir nicht fremd, immer öfter erkenne ich dahinter mein Kontrolle / Angst Spiel. Unklarheiten mag ich nicht, deshalb sorge ich wo ich kann für Sachlichkeit und Klarheit, besonders mit dem beruflichen Kram. Ich bin kein starker oder autoritärer Chef, ich leite die Themen ein und achte darauf, dass sie mitgenommen werden im Team. Ich kann allerdings schnell zum Thema kommen in Coaching, bringe es auf dem Punkt falls nötig, da hilft mir meine Sachlichkeit.

Weiterentwicklung

– unsere Grundphilosophie – jeder hat Recht und das nur Teilweise. Ein Konflikt braucht Klärung, strukturiertes Vorgehen hilft – das Ziel ist Klarheit durch Wahrheit und die Möglichkeit, seinen eigenen Standpunkt gut zu vertreten und den des anderen zu hören und zu verstehen.

Es ist ein guter erster Schritt, den eigenen Standpunkt mit allen Gedanken, Gefühlen und Handlungswünsche zu reflektieren. Es ist wichtig, die eigene Sichtweise zu klären und gut im Kontakt mit sich zu sein (erden und eine emphatische Haltung einnehmen), um gut kommunizieren zu können – nur das gelingt uns oft nicht ohne ein Gegenüber. Wir brauchen manchmal Gegenwind, damit wir gezwungen werden, unsere Sichtweise zu überprüfen und erweitern. Interessierte und differenzierende Fragen helfen uns die Situation präziser und differenzierter zu betrachten und es können neue Aspekte gesehen und verstanden werden. Insofern betrachten wir Konflikte als natürlich und nützlich überall dort, wo Menschen zusammen arbeiten und leben.
Wir brauchen die gute Zusammenarbeit in allen drei Zentren: Es ist wichtig durch geerdete Präsenz, die innere Angst vor Störungen zu verwandeln in Mut, Interesse und Vertrauen, dass Konflikte geklärt werden können – und etwas Neues ins Feld bringen.

Es braucht die Bereitschaft, eine emphatische Haltung für sich selber und für andere einzunehmen, bei allen Unterschiedlichkeiten, Ich bin OK – Du bist OK. Und es ist wichtig, die eigenen Gefühle als hohe Intelligenz und zuverlässige Informationsquelle zu erleben. Sie machen in diesem Moment Sinn, sonst hätten wir sie nicht.

Termine

07. April 2017 – Hamburg – Einführung ins Enneagramm
21. März; 25. Arpil 2017 – Hamburg – Enneagramm Entwicklungsgruppe
25. – 30. Mai 2017 – Eutin – Enneagramm Ausbildung Interviews & Basisthemen
15. – 17. Juni 2017 – Hamburg – Start Coaching Ausbildung
06. – 07. Juli 2017 – Hamburg – Enneagramm in Beziehung und Kommunikation
28. Sept – 03. Okt 2017 – Eutin – Enneagramm: Entwicklung und Wachstum
03. – 04. Nov 2017 – Kiel – Einführung und Vertiefung Enneagramm

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