Das Enneagramm für gelingende Integration …

Warum? Unterschiedliche Sichtweisen sind Hoffnungsträger und bieten uns eine Chance auf gelingende Integration

Unser Bedarf nach Austausch über das brandaktuelle Thema Flüchtlinge war im letzten Netzwerk Treffen groß. Wir hatten alle das Gefühl, dass wir etwas dazu beitragen wollten – aber was und wie? Und das ist unser Thema in diesem Newsletter.

Unser tägliches Brot mit dem Enneagramm ist die Aufklärung über Unterschiedlichkeit als menschliches Naturphänomen. Wir beziehen uns dabei auf selektive Wahrnehmung und die Kernmotivation, die uns durchs Leben treibt und entscheidet was bei uns im Fokus bleibt und wichtig erscheint. Allerdings wissen wir, auch wenn zwei Menschen denselben EN-Stil haben, haben sie dennoch eine einzigartige Biographie und womöglich einen anderen kulturellen Hintergrund, was das gewohnte Verhalten stark prägt und bei den Flüchtlingen wird es nicht anders sein. Alle diese Themen wollen gut verstanden werden, um dann passende Strukturen zu entwickeln, wenn wir es ernst meinen mit dem Begriff Integration.

Uns schien es wichtig, dass die unterschiedlichen Perspektiven und Intelligenzen der drei Zentren (Kopf, Herz, Bauch ) sowie die unterschiedlichen Perspektiven der neun EN-Stile für dieses Thema nutzbar gemacht werden.

Ganz sicher braucht Integration die Entwicklung von sozialem Bewusstsein bei allen Beteiligten. Nur durch achtungsvolle Kommunikation können wir Beziehung aufbauen und gleichzeitig Klarheit über die natürlichen Unterschiede bekommen, auch über die Problemfelder, die besondere Achtsamkeit von allen Beteiligten brauchen.
Durch die Beachtung der drei Zentren bekommen wir einen Grundstein für unser Handeln für die bevorstehende Integrationsarbeit, neben den ganz pragmatischen, wie Unterbringung und Grundversorgung.

Kopf – Bedürfnis nach zuverlässiger Information, Sicherheit und Orientierung. Transformation der Angst in Mut, um ins Handeln zu kommen und Vertrauen zu entwickeln. Verständnis als Weg. Es ist wichtig, Fragen zu stellen, um Verständnis für Reaktionen untereinander zu entwickeln. Wir brauchen auch Klarheit und Wissen darüber, was die nötigen Aufklärungs- und Orientierungsschritte sind, die unsere neuen Mitbürger durchlaufen müssen, damit sie hier überhaupt eine Chance auf Zugehörigkeit und Akzeptanz bekommen. Herz – Bedürfnis nach guten Beziehungen, Akzeptanz und Anerkennung als Person – z.B. mit Freundlichkeit und Namen ansprechen. Bauch – Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Respekt, Autonomie und eigenverantwortlichem Handeln. Alle Menschen haben diese Grundbedürfnisse, das verbindet uns mit den Flüchtlingen und ein Mangel in nur einem Bereich wird Stressreaktionen auslösen.

Es ist natürlich, dass Veränderungen in der Gesellschaft, so wie wir sie gerade erleben, teilweise Angst auslösen. Die Ängste können berechtigt und sogar sinnvoll sein, weil sie uns darüber informieren, wo Auftsamkeit angebracht ist, sie brauchen eine ständige Überprüfung (nach neuester Gehirnforschung läuft diese Überprüfung sowieso unbewusst ca. alle 9 Sekunden in uns ab). Ängste sind menschlich, die haben wir gemeinsam mit den Flüchtlingen, nur mit anderen Inhalten. Angst vor Ungewissheit, Andersartigkeit und möglichen Aggressionen, fremde Religionen, Frauenbilder, Kulturen usw. In einer Demokratie dürfen Ängste nicht sofort als Fremdenfeindlichkeit bewertet werden, sie brauchen Gehör und die Chance auf eine offene Aussprache. Sonst wirken sie im Untergrund weiter und können aller Art ungute politische Mächte unterstützen. Angst ist im Alleingang kein guter Ratgeber. Durch zuverlässige Informationen, Realitätsüberprüfung – und die Ergänzung durch ein offenes Herzzentrum und ein geerdetes und kraftvolles Bauchzentrum, entsprechende Strukturen kann Integration einfach besser und vernünftiger gelingen.

Ein angenehmes und besinnliches Weihnachtsfest wünsche ich euch,

Pamela Michaelis

Allgemein

Wahrnehmungsstile in der Business Welt zum Thema Flüchtlinge

In der Business Welt, wo viele Organisationen mit der Globalisierung von Unternehmen und Integration von internationalen Teams umgehen müssen, werden die verschiedenen Sichtweisen der Andersartigkeit bereits in Veränderungsprozessen integriert. Ihre Erfahrungen mit ’Change Management’ könnte eine gute Unterstützung in der jetzigen Situation sein.

Und alle neun Enneagrammstile bringen ihre eigenen Perspektiven, hier eine kleine Auswahl von dem, was wir bisher gehört haben:

EINS: Es ist nicht richtig, die Menschen im eigenen Land, wegen ihres Glaubens zu ermorden und zu bombadieren. Es ist richtig, sie mit humanitäre Hilfe so lange zu unterstutzen, bis sie für sich selber sorgen können. Sie sollten für unsere Hilfe dankbar sein, sich mit Toleranz an unsere Werte und Normen anpassen und keine besonderen Ansprüche stellen – wie Trennung der Religionen u.a.

ZWEI: Die Armen, wir müssen uns um sie kümmern, sie können sich nicht helfen und sie können nichts dafür, dass in ihren eigenen Ländern Gewalt und Krieg herrscht. Wir müssen alle unsere Interessen zurückstecken und in dieser Notsituation gut miteinander umgehen. Wenn jeder etwas dazu beiträgt, dann schaffen wir das. Und wir müssen genau hinschauen, was gebraucht wird, um gute Beziehungen mit den Flüchtlingen zu entwickeln.

DREI: Ich hoffe, dass möglichst viele gut Ausgebildete zu uns kommen, wir sparen an deren Ausbildung und sie werden hier hart arbeiten, konsumieren und Steuern zahlen und unsere Wirtschaft ankurbeln. Ganz nebenbei wird unser demographisches Problem gelöst. Wir müssen sie nur schnell in die Arbeitswelt bringen. Die, die Probleme machen oder nicht arbeiten wollen, müssen natürlich schnell wieder gehen. Und sie müssen selber aktiv sein um ihre Probleme zu lösen. Wir schaffen die Strukturen, damit sie dabei erfolgreich sein können.

VIER: Ich halte es schier nicht aus, diese endlose Diskussionen über Zahlen. Es könnte doch funktionieren, wenn wir die Flüchtlinge mit ihrer Andersartigkeit willkommen heißen wurden und uns mehr für die tief liegenden Verletzungen hinter jedem einzelnen menschlichen Schicksal interessieren würden.

FÜNF: Angst vor den Kosten und Konsequenzen, wir wissen nicht genug über die Menschen die in unser Land kommen. Wir müssen sie stoppen, an der Grenze aufhalten, bis wir zuverlässige Informationen über sie haben. Die Hysterie der ‘Gutmenschen’ ist nicht ernst zu nehmen, es wird schnell kippen. Und dann haben wir ein großes Problem.

SECHS: Ja, humanitäre Hilfe ist gut für die echten Kriegsflüchlinge. Ich sehe aber was alles passieren könnte und ich habe große Angst vor den Konsequenzen, die Kosten und Gefahren für unsere Kinder und Enkelkinder. Wir sind zu schnell, zu unvorsichtig, sehen nicht, dass wir Abgrenzung brauchen für unsere Sicherheit. Die Regierung ist unfähig, hat keine Kontrolle mehr, schützt uns nicht und womöglich gibt es eine Macht, die hinter dieser Entwicklung steht, die wir alle nicht ahnen, z.B. USA oder Israel oder Russland / China – oder.. oder ..

SIEBEN: Alles wird gut aber Angst macht es mir schon und man darf es nicht aussprechen, ohne die Stimmung zu verderben und als Nazi abgestempelt zu werden.

ACHT: Wir müssen etwas tun, helfen, beschützen, Gerechtigkeit schaffen im Lager, in der Gesellschaft und in der Welt. Die Wahrheit ist, wir liefern immer noch Waffen, dagegen müssen wir kämpfen und nicht nur reden.

NEUN: Ich glaube, es gibt eine Lösung. Es ist schwierig aber de Menschen muss erstmal geholfen werden, Sicherheit ist wichtig aber nicht so wichtig wie die Notwendigkeit, die Frauen und Kinder aus den Kriegsgebieten zu holen. Alle Beteiligten müssen mit einander reden, um die Ursachen vor Ort zu beseitigen. Wenn wir miteinander reden, gut zuhören, dann finden wir einen friedlichen Weg, trotz aller Probleme.

Spezial

Wir machen Fortschritte in unsere Bemühungen, das Enneagramm für Gefangene anzubieten, wir besprechen gerade ein interessantes Projekt mit der Justizbehörde und werden später darüber berichten. Und bitte schaut mal auf die Enneagram Germany Facebook Seite, dort findet ihr interessante Videos und Informationen, auch von europäischen und internationalen Quellen.

..und wir werden Podcasts zur Verfügung stellen, die wir in der mündlichen Tradition aufgenommen haben, also inhaltlich interessant und informativ. Hier das nächste Podcast über den Enneagram Stil 2: Podcast anhören

Die mündliche Tradition
Unser Lehrgrundsatz lautet, „glaube nicht was wir sagen, finde es für Dich selber heraus, ob es stimmt“. Sie als Person stehen im Vordergrund. Sie lernen, das Wissen des Enneagramms, als Orientierung für Ihre intensive Selbstreflexion zu nutzen. Sie werden in viele Übungen und Sprecher Podien über sich reden (die mündliche Tradition – die ursprünglichste Art des Lernens).
Dadurch erhalten alle TN Informationen live und aus erster Hand darüber, wie es ist mit dieser Sichtweise zu leben. Alle in der Gruppe lernen etwas über sich und die anderen. So entwickeln Sie neue zwischenmenschliche Kompetenzen und ein tiefes Verständnis für die Lebensstrategien von allen neun EN-Stile. Dieses Wissen ist wertvoll für alle Berufe, wo die interpersonelle Intelligenz wichtig ist, z.B. als Coach, Mediator, Führungskraft, Therapeut, Berater oder Lehrer usw. Die Vorstellung, wir wurden so die Chance bekommen, unsere Flüchtlinge besser kennen und verstehen zu lernnen – und sie uns …. es könnte unsere beiden Welten verändern.

Was sagen andere?

21122015_Newsletter_Tilman_MetzgerTilman Metzger, als Jurist, überzeugter Mediator, Klärungshelfer, Ausbilder der Mediation seit fast 30 Jahren und Mitbegründer der BM (Bund der Mediatoren) in 1992, EN-Stil Acht.

 
Frage: Du bist es gewohnt, mit komplizierten und hocheskalierten Konflikten umzugehen. Was sagst Du zur Flüchtlingskrise?
Antwort: Also ich habe keine Angst, ich sehe diese vielen Menschen eher als Chance für unseren Land in Angesicht der demografischen Wandel die uns bevor steht. Natürlich wird es Zeit und Engagement brauchen, Deutschland ist ein starkes Land und kann das leisten. Wir sorgen dadurch für einen gerechten Ausgleich, denn lange hat den Westen von der ungleiche Verteilung in der Welt profitiert.
Was mir eher Angst macht ist die Sorgen und Ängste der anderen und die möglichen politischen Konsequenzen, sowohl hier in Deutschland als auch in Europa. Es könnte mehr Rechtsextremismus erzeugen und da müssen wir alles tun, um gegen zu steuern. Es muß viel Aufklärung statt finden, vernünftige politische Strukturen geschaffen werden, um Sicherheit und Fortschritt für alle zu gewährleisten.

Wie findest Du die Reaktionen unserer europäischen Nachbarn?
Antwort: Nun ich kann schon verstehen, dass unsere Nachbarn etwas trotzig reagieren auf unsere Aussage, „wir schaffen es schon“ aber natürlich wäre es gut, wenn wir uns in Europa solidarisch zeigen, um das Problem auch politisch gemeinsam und global angehen zu können. Jeden Tag sterben weltweit 25 – 40.000 Kinder aus Mangel an Nahrung und sauberem Trinkwasser laut den UNESCO-Jahresbericht. Das Kindersterben ist ein Symptom der Weltwirtschaftsordnung, die im Kolonialismus wurzelt – der Terrorismus ist ein weiteres Symptom. Wer die Basis des Terrorismus erkennen und damit echte Handlungsoptionen gewinnen möchte, lese folgendes Buch: Jean Ziegler, der Hass auf den Westen.
Langfristig brauchen wir eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, wo alle einen fairen Preis für Konsumgüter bezahlen und auf vernünftige Standards in der Produktionsstätten in Ausland achten. Große Firmen haben die Macht dazu.

Wie beeinflußt Dich deine Erfahrung als Mediator?
Antwort: Nun, ich bin es gewohnt, durch die Brillen von allen Beteiligten zu schauen, hier im Inland als auch die, die aus dem Ausland zu uns kommen.
Eine vernünftige Lösung für das Problem kann, glaube ich, nur so gefunden werden.

Weiterentwicklung

In unseren Trainings werden viele Atem- sowie Mindfulness und Körperübungen angeboten. Das Wissen des Enneagramms und die alltägliche Praxis öffnet uns den Weg zu mehr Präsenz im Hier und Jetzt und Balance der Energie der Leidenschaft, um bewusster den Alltag zu gestalten.

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